Leserbrief von Ratsmitglied Georg Scherzinger: „Ein Jahr vor der Eröffnung – Einblicke in die Baustelle zur Freibad-Sanierung“

Der nachfolgende Leserbrief Georg Scherzingers, Mitglied im Bopparder Stadtrat (Fraktion Bündnis 90/Die Grünen), wurde am 17. April 2020 in Rund um Boppard (Ausgabe Nr. 16) veröffentlicht.

Einerseits möchte man Eva Schneider und Niko Neuser ja zum Erfolg ihrer Bürgerinitiative „Boppard braucht sein Freibad wieder“ –warum eigentlich nur sein Freibad?– gratulieren. Andererseits wirkt es aber wie ein „vergiftetes“ Engagement, jedenfalls von Seiten unseres Ortsvorstehers, da er ja selbst jahrelang das ruinöse Großprojekt „Römertherme“ des Bürgermeisters und einiger ihm folgenden Stadträt:innen protegiert hat, in dessen Planverfolgung wichtige, bestandssichernde Sanierungsarbeiten an den in Betrieb befindlichen Frei- und Hallenbad in vorauseilendem Gehorsam leider eingestellt wurden.

Auch führt gerade das Beharren auf der Einschränkung „Freibad“ dazu, dass die Initiative und alle diesem zustimmenden Stadtratsmitglieder:innen nun zu den Totengräbern für ganzjähriges Schwimmen in Boppard werden.
Dies stimmt doppelt traurig, wo doch schon 2011 Vertreter:innen des Bopparder Stadtrats der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, CDU, FDP und FWG eine funktionale und realistische, quasi „geerdete“ Alternative zum ruinösen Irrweg des Großprojekts „Römertherme“ präsentiert hatten, Stichwort hier „Cabriobad“.

War der am 21.09.2015 gefasste Stadtratsbeschluss zur Renovierung des Freibades nur unter der verpflichtenden Zusage der miteinhergehenden Sanierung des Hallenbades in den Jahren 2016 und 2017 zustande gekommen, hatte man diesen Beschluss scheint’s schon von Beginn an einseitig aufgekündigt – jedenfalls wurden vom Bürgermeister keinerlei der vom Stadtrat oftmals eingeforderten konstruktiven Schritte zur Realisierung auch des Hallenbades unternommen.

Mit ursprünglich 2,7 Millionen € Renovierungskosten geplant, wird nun mit veranschlagten 5,5 Millionen € ein überdimensioniertes Freibad gebaut, welches die wichtigen Mittel für ein Ganzjahresbad -Hallenbad mit seitlich öffenbaren Glaselementen hin zu den Liegeweisen- auffrisst, und dies, für einen Maximalnutzen von 40 bis 50 Badetagen im Jahr, wobei die hohen Pro-Kopf-Betriebskosten natürlich für die volle Saison finanziert werden müssen, also mindestens für 120 Tage vom 15. Mai bis 15. September anfallen. Noch gar nicht abzusehen ist auch, woher die Stadt Boppard geeignetes Personal rekrutieren wird, das eine Anstellung nur für 4 Monate im Jahr sucht?

All das hat mit Daseinsvorsorge nichts zu tun!

Die Zeit zum Umzusteuern ist leider vorbei, da der Bürgermeister ja mittels Eilentscheid die Beauftragung für die Rohbau- und Betonsanierungsarbeiten in Höhe von 970.000,- € vergeben hat.

Die Unterstützer der Bürgerinitiative wurden somit genarrt, denn, wie unser Ortsvorsteher Niko Neuser ja selber schreibt, ist beides, Frei- und ein ganzjährig nutzbares Hallenbad, finanziell wohl nicht realisierbar. Jedoch würde nur das ganzjährig nutzbare Hallenbad die gegebenen Anforderungen von Kindern, Schulen, Eltern, Vereine und dem Tourismus erfüllen.

Warum man daher nicht umgesteuert hat, erschließt sich niemandem.

Und wer sagt, dass die Mittel heute nicht verfügbar sind, der muss wenigstens so ehrlich sein und zugestehen, dass die Mittel für beides auch in Zukunft nicht verfügbar sein werden, und sollte nicht, wie unser Ortsvorsteher Niko Neuser aktuell mit der „Römertherme 2.0“ im Gewand eines „Kurbad Boppard“, erneut auf ruinöse Werbetour gehen.

Zusätzlich sind die Fertigstellung und der anschließende Betrieb des überdimensionierten Freibads auch noch nicht sichergestellt, denn, den Städten und Gemeinden -ergo auch der Stadt Boppard- brechen wegen der Coronakrise gerade die Einnahmen weg. Es wird schon darüber spekuliert, dass der Bund wohl auch hierfür einen Rettungsschirm aufspannen muss. Ob dieser dann aber auch die Fertigstellung und den Betrieb eines überdimensionierten Freibades umfassen wird, wage ich zu bezweifeln.

Georg Scherzinger
Stadtratsmitglied Bündnis 90/Die Grünen

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