Stellungnahme der Grünen zum Planungsentwurf des Welterbe-Generationenparks

Der Stadtverband von Bündnis 90/Die Grünen betrachtet die Bopparder Rheinanlagen als den zentralen Erholungsraum und das ökologische Herzstück der Kernstadt. Daher unterstützen die Grünen grundsätzlich den Vorschlag, unsere Grünanlage in ihrer Fläche auszuweiten und aufzuwerten, wie es auch die Intention bei der Planungsvergabe des LEADER-geförderten Projektes des Welterbeparks im Bereich des Spielplatzes und der Tennisanlage war.

Der nun vorgestellte Planungsentwurf sieht vor, einen Skaterpark an Stelle des jetzigen Spielplatzes zu errichten, wozu drei großkronige, alte Bäume gefällt und die angrenzende Hecke entfernt werden müssten. Es ergäbe sich ein harter Bruch aus Beton zwischen dem Rosengarten im Westen und dem neugeplanten Spielplatz im Osten (anstelle der jetzigen Tennisanlage), zumal eine 3,50 Meter hohe Kletter- und Lärmschutzwand über eine Länge von etwa 30 Metern (!) die Sicht zwischen Rheinallee und Rhein nehmen würde. Ins Kleinere übertragen kann man sich bei einem Besuch der Gabionenmauer des Bingener Stadtbahnhofes einen Eindruck von der entstellenden Wirkung einer solchen Lärmschutzwand verschaffen.

Der Kinderspielplatz im heutigen Zustand, an dessen Stelle ein Skaterpark mit 30 Meter langer Kletter- und Lärmschutzwand entstehen soll. Drei große Bäume und die Hecke müssten hierzu entfernt werden.

Für die Grünen ist der Verlust dieser Bäume nicht hinnehmbar. Schon im letzten Jahr wurden zwischen den Tennisplätzen und der Rheinallee knapp ein Dutzend überwiegend gesunde Ahornbäume gefällt, auch am Fußweg zum Rhein hin stehen mehrere Bäume nur noch als Baumstumpf oder Totem. Bis neu gepflanzte Bäume eine angemessene, schattenspendende und für die Ökologie wertvolle Größe erreicht hätten, müsste mindestens ein halbes Jahrhundert vergehen. Es ist unerklärlich, weshalb der Wert unserer Baumsubstanz noch nicht erkannt wurde, obgleich wir einen Rekordsommer nach dem anderen erleben und bei Baumneupflanzungen nun immer das große Risiko besteht, dass diese durch Dürre und Klimaverschiebung gar nicht mehr anwachsen. „Kleinkronige Hochstämme“, wie der Planungsentwurf sie teilweise vorsieht, sind vielmehr dekorativ und grundsätzlich ungeeignet, den üppigen und hohen Baumbestand zu komplettieren oder eines Tages zu ersetzen.

Eine gute Planung muss daher ohne Baumverlust auskommen. Daher bestünde eine Alternative darin, die LEADER-geförderte Skateranlage am östlichen Ende des jetzigen Tennisplatzes zu platzieren. Damit bliebe zwar noch die Problematik der Lärmschutzwand bestehen, jedoch würden immerhin Baumfällungen vermieden und sich durch die ohnehin gegebene Nähe der Turnhalle des Kant-Gymnasiums kein derart harter Einschnitt mitten in den Grünanlagen durch die Betonfläche mehr ergeben. Der Spielplatz könnte dann von seinem jetzigen Standort aus erweitert und müsste nicht verschoben werden.

Der benachbarte Parkplatz unterhalb der Polizei als idealer, alternativer Standort für den Skaterpark.

Grundsätzlich aber befände sich ein idealer Standort für eine Skateranlage zur Erweiterung des Angebotes für die Jugend auf einem Teil des benachbarten Parkplatzes unterhalb der Polizei, denn es handelt sich hierbei um eine ohnehin schon versiegelte Fläche in attraktiver Lage und keine Bäume müssten gefällt werden. Mit nur minimalem Parkraumverlust neben der Kindertagesstätte platziert, käme es hier zu keiner Lärmbelästigung, da die Skateranlage erst am Nachmittag genutzt würde. Auch eine gegebenenfalls errichtete Boulderwand würde durch ihre Drehung um 90° keine Sicht auf den Rhein mehr behindern und Lärmemissionen für die Anwohner der Kaiser-Friedrich-Straße zusätzlich verringern. Der Welterbepark und die Rheinanlagen würden von zusätzlichen Grünflächen profitieren und könnten durch Konzepte wie etwa einen „essbaren Garten“, Blühwiesen, weinberankte Laubengänge oder Neupflanzung großkroniger Bäume bereichert werden und somit einen adäquaten Beitrag zur Bundesgartenschau und dem Welterbe liefern. Somit wäre es das Beste, den Park in seiner Fläche auch auf einen Teil des angrenzenden Parkplatzes auszuweiten.

Da die Planung Boppard für die nächsten Jahrzehnte bleibend verändern wird, sollte ein konstruktiver Streit um die beste Lösung geführt werden, um eine Umsetzung des Welterbeparks zur Zufriedenheit aller zu gewährleisten. Unbedingt sollte dabei der generationenalte Gedanke, der hinter unserer einzigartigen Rheinanlage steht, fortgeführt und einfühlsam weitergedacht werden, botanische Vielfalt und Entsiegelung also im Fokus stehen.

Die Fraktion der Grünen im Bopparder Stadtrat & der Vorstand des Stadtverbands Mittelrhein von Bündnis 90/Die Grünen

(Text: Kent Michaelis)

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